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Das Gesetz der Wirklichkeit

In der Bhagavad-gita erklärt der Gesetzgeber persönlich das Gesetz der Wirklichkeit. Wer im Einklang mit dem göttlichen Gesetz leben will, kann daraus unbegrenzten Vorteil ziehen.

BHAGAVAD-GITA, ERSTES KAPITEL, VERS 1

ÜBERSETZUNG

Dhritarashtra sprach: O Sanjaya, was taten meine Söhne und die Söhne Pandus, als sie sich an der Pilgerstätte von Kurukshetra voll Kampflust versammelt hatten?

 

ERLÄUTERUNG (von Shrila A.C. Bhaktvedanta Swami Prabhupada)

Die Bhagavad-gita ist die vielgelesene, in der Gita-mahatmya (Ruhmpreisung der Gita) zusammengefasste, theistische Wissenschaft. In der Gita-mahatmya heißt es, man solle die Bhagavad-gita mit der Hilfe eines Menschen, der ein Geweihter Krishnas ist, genau prüfend lesen und versuchen, sie frei von subjektiv motivierten Interpretationen zu verstehen. Das Beispiel klaren Verständnisses findet man in der Bhagavad-gita selbst, nämlich in der Weise, wie diese Lehre von Arjuna verstanden wurde, der die Gita unmittelbar vom Herrn hörte. Wenn jemand sich so glücklich schätzen kann, die Bhagavad-gita in dieser Linie der Schülernachfolge, ohne motivierte Interpretation, zu verstehen, erhebt er sich über alle Studien vedischer Weisheit und alle Schriften der Welt.

Man wird in der Bhagavad-gita all das finden, was in anderen Schriften enthalten ist, doch wird der Leser auch Dinge finden, die andernorts nicht zu finden sind. Das ist das Besondere an der Gita. Sie ist die vollkommene Gotteswissenschaft, weil sie unmittelbar von der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krishna, gesprochen ist.

 

MEIN KOMMENTAR

Die Bhagavad-gita ist das Buch der Wirklichkeit. Es wurde vom Ursprung der Wirklichkeit, der ursprünglichen Person, selbst verfasst. Es ist nicht notwendig, andere Bücher zu studieren, um die Wirklichkeit zu verstehen.

Der Begriff “Wirklichkeit” hat die Bedeutung “etwas, das wirkt bzw. Wirkung zeigt.” Steven Covey, ein berühmter Coach aus Amerika, hat einmal sehr treffend gesagt: “Man kann die Gesetze der Wirklichkeit nicht brechen. Man kann nur daran zerbrechen.”

Was wollte er damit zum Ausdruck bringen?

Die Wirklichkeit ist Gesetz. Das Gesetz der Wirklichkeit ist unüberwindlich und vollkommen. In unserer “modernen” Zeit der unbeschränkten “Selbstverwirklichung” wird das oft gar nicht gern gehört. Wir wollen frei sein und tun und lassen können, was wir wollen. Aber diese Vorstellung ist von allem Anfang an töricht. Welcher Mensch kann tun und lassen, was er will? Da gibt es das menschliche Gesetz, das einen Dieb oder Schnellfahrer bestraft. Und darüber hinaus gibt es die Gesetze der Natur. Ob wir schlafen wollen oder nicht, wir müssen schlafen. Ob wir arbeiten wollen oder nicht, wir sind dazu gezwungen, wenn wir uns unseren Lebensunterhalt verdienen wollen. Das Gesetz der Schwerkraft verhindert, dass wir den Mars besuchen können, auch wenn wir noch so neugierig sind, wie es dort oben wirklich aussehen mag. In der Tat: Wir sind alle Behinderte im wahrsten Sinn des Wortes. Wir sind so eingeschränkt in unseren Möglichkeiten. Wir werden krank, obwohl es uns nicht passt. Menschen sterben, ohne darin eingewilligt zu haben. Wir werden jeden Tag älter, ohne etwas daran ändern zu können.

Die Wirklichkeit ist kein relatives Gesetz. Dem Gesetz der Menschen mag man entkommen. Ein Dieb entwischt seinen Verfolgern und genießt seine Beute. Aber tatsächlich ist seit Anbeginn der Zeit noch nie jemand auf diese Weise dem kosmischen Gesetz der materiellen Natur entkommen. Selbst jedes einzelne unserer Haare auf unserem Körper unterliegt zu 100% den Gesetzen der materiellen Natur.

Der “moderne” Mensch versucht, sich gegen das Gesetz aufzulehnen. Seine Wissenschaft soll ihm dazu dienen, die Natur zu beherrschen. Aber das ist unmöglich. Es ist nicht möglich, die Natur zu beherrschen, da der Geist und die Intelligenz des Wissenschaftlers selbst nichts anderes sind als ein Produkt dieser Natur.

Jemand, der wahrlich glücklich werden will, hat nur eine Möglichkeit; er beginnt mit der göttlichen Natur zusammenzuarbeiten. Er lehnt sich weder auf, noch will er beherrschen. Vielmehr will er verstehen und im Einklang mit dem Geist der Natur handeln. Der modernen Menschheit ist dieses Verständnis verloren gegangen. Ihr Interesse besteht nicht darin, die Natur kennen- und verstehen zu lernen, um ihren Gesetzen zu folgen. Nein, ihr Interesse läuft vielmehr darauf hinaus, die Natur verstehen und kennen zu lernen, um sie zu beherrschen und zu manipulieren. Es ist exakt dieses Ansinnen, das der modernen Menschheit den Zugang zur Wirklichkeit verwehrt.

Warum ist dies so?

Die Natur zu verstehen und die Natur zu beherrschen sind zwei völlig widersprüchliche Ambitionen. Es ist für jemanden, der die Natur beherrschen möchte, unmöglich, sie zu verstehen. Der unbedeutende Wissenschaftler dünkt sich als großer Mann oder als große Frau, aber er oder sie vergisst dabei, dass alle seine bzw. ihre Bemühungen immer unter den Gesetzen der Natur stattfinden. Der Wissenschaftler möchte die Natur verstehen, aber er steht nicht außerhalb der Natur. Sein Ansinnen, die Natur zu kontrollieren, ist ein Ausdruck der Natur, die ihn unablässig kontrolliert.

Das ist das Problem der Wissenschaft: Sie mag wunderbare technische Erfindungen hervorbringen, aber die Menschen sind dadurch nur unglücklicher geworden. Der Grund: Die moderne Wissenschaft leidet unter einem eklatanten Mangel an philosophischer Intelligenz. Das führt dazu, dass das ganze Gebäude der Wissenschaft auf Treibsand errichtet worden ist. Es wird in der Bedeutungslosigkeit versinken, weil es nie von Bedeutung war. Es handelt sich lediglich um den eingebildeten Wahn eines arroganten und unreflektiven Geistes, der nicht erkennen kann, dass all seine Bemühungen und Ambitionen lediglich Ausdruck dafür sind, dass er jeden Augenblick von den unüberwindlichen Gesetzen der Natur beherrscht wird.

Der intelligente Mensch wird deshalb das verrückte Ansinnen, der Beherrscher der Wirklichkeit zu werden, aufgeben und beginnen, mit der Wirklichkeit zusammenzuarbeiten. Das ist die Lösung für alle Probleme. Wir sehen ja, dass die Probleme der Menschheit durch den so genannten Fortschritt der Wissenschaft um keinen Deut abgenommen haben. Ganz im Gegenteil, sie sind ihrer so viele mehr geworden. Gleichzeitig sind die zeitlosen Probleme des Alterns, der Krankheit und des Todes vorherrschender als ja zuvor. Nicht nur war es der Wissenschaft unmöglich, diese Grundprobleme zu meistern; sie hat eine ungeheure Vielfalt neuer Probleme geschaffen.

Jemand, der die Wirklichkeit tatsächlich erkennen und verstehen will, muss als allererstes, gewissermaßen als das ABC seiner Bemühungen, klar verstehen, dass die Wirklichkeit nach einem strikten und vollkommenen Gesetz wirkt, das absolut ist und deshalb niemals gebrochen werden kann. In dieser Haltung kann er beginnen, der tatsächlichen Beschaffenheit der Wirklichkeit näher zu kommen. Anstatt in einer arroganten Haltung auf eigenen Faust zu forschen, macht er sich das Leben einfach, indem er anerkennt, dass hinter jedem Gesetz ein bewusster Gesetzgeber steht. Um Wissen zu erhalten, wendet er sich an den Gesetzgeber, ebenso wie es die Bürger jedes Staates tun. Sie forschen nicht mühselig und umständlich herum, was denn nun das Gesetz sein könnten, dem sie unterstellt sind, sondern sie wenden sich an offizielle Regierungsstellen, die ihnen das Gesetz aushändigen. Ebenso wird ein Mensch mit Unterscheidungsvermögen nicht auf eigenen Faust herumspekulieren, wie das Gesetz der Wirklichkeit beschaffen sein könnte, sondern er wird sich an den Urheber des Gesetzes wenden, um von ihm über diesen Sachverhalt aufgeklärt zu werden. Das exakt ist die Bedeutung der Bhagavad-gita.

Die Bhagavad-gita ist das Gesetzbuch der Wirklichkeit, verfasst vom Gesetzgeber persönlich.Es gibt Gesetzbücher, wie etwa das Shrimad Bhagavatam (Bhagavata Purana), die dieses göttliche Gesetz viel detaillierter beschreiben. Aber die Bhagavad-gita ist die definitive Einführung in das Gesetz der Wirklichkeit. Niemand kann das Gesetz besser kennen, als der Gesetzgeber selbst. Deshalb ist es das Intelligenteste, es unmittelbar von ihm kennen zu lernen.

Das Gesetz der materiellen Natur ist ein göttliches Gesetz. In ihm drückt sich das zeitlose und ewige Gesetz des Lebens aus. Wer das ursprüngliche Gesetz des Lebens versteht, versteht mit Leichtigkeit die Gesetze der materiellen Welt, die nichts anderes sind als Widerspiegelungen der ursprünglichen spirituellen Gesetze unvermischten Bewusstseins.

Das Gesetz der Wirklichkeit besagt, dass Bewusstsein der Ursprung aller Dinge ist. Die Idee, Bewusstsein entstehe an irgendeinem Punkt chemischer und physikalischer Wechselwirkungen, wird von diesem Gesetz als absurd und lächerlich verworfen. Diese Idee dient einzig und allein dem verrückten Ansinnen, durch die mechanische Kontrolle und Manipulation toter materieller Bausteine Gott spielen zu können, nach dem Motto: “Wenn ich ein Produkt blinder Materie bin und es mir gelingt, die Materie zu beherrschen, dann kann ich mich selbst beherrschen.” Dieses Ansinnen ist ihn sich selbst widersprüchlich und steht ebenso im Widerspruch zur Wirklichkeit und jeder einzelnen unserer Erfahrungen in und von dieser.

Es ist einfach, die Wirklichkeit zu verstehen, wenn wir uns erlauben, vom persönlichen Ursprung aller Wirklichkeit, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, zu hören. Alle anderen Methoden führen trotz härtester Bemühungen lediglich zu unvollkommenen Ergebnissen. Der intelligente Mensch wird deshalb von mühsamer und fruchtloser mentaler und selbst intellektueller Spekulation ablassen und den Worten der Wirklichkeit in personam lauschen.

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Info:
Das Gesetz der Wirklichkeit ist Beitrag Nr. 185
Author:
Friedrich Asen am 12. Februar 2009 um 15:58
Kategorie:
Bhagavad-gita: Wirklichkeit, wie sie ist
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