[ad]
Ich bin jetzt gerade im Wald spazierengegangen und wollte kurz meinen Sohn anrufen. Daraus aber hat sich ein längeres Gespräch ergeben, bei dem es unter anderem um den Perfektionismus gegangen ist. Ich persönlich sehe mich jeden Tag mit dieser Problematik konfrontiert, denn ich bin – leider – ein Perfektionist, und mein ganzes Streben geht dahin, diese unselige Neigung abstreifen zu können.
Der Perfektionismus zeigt seine unheilvollen Auswirkungen vor allem auf zwei Arten. Ich kenne viele Leute aus Tätigkeitsbereichen, in denen ich arbeite und die mich interessieren, die wirklich Koryphäen auf ihrem Gebiet sind, sei es nun das Verfassen einer Salescopy, das Schreiben einer sogenannten Content-Seite für eine Website, sei es das Schreiben eines Ebooks oder eines Blogeintrags, sei es was auch immer es sei, ich kenne diese Leute, und diese Leute sind sehr, sehr gut. Ich messe mich also an Ihnen, und das hat folgende Auswirkungen:
1) Ich fühle mich so extrem überfordert, meinen Ansprüchen, mindestens ebenso gut sein zu müssen wie diese Fachleute, gerecht zu werden, dass ich von vornherein die Flinte ins Korn werfe und gar nicht erst anfange, “weil es sowieso keinen Sinn hat”. Eine Variante davon sieht so aus, dass ich den Beginn dieser Tätigkeit immer wieder verschiebe und verschiebe, weil ich einfach Angst davor habe zu versagen.
2) Manchmal gelingt es mir dann tatsächlich anzufangen, aber dieser starke Druck, gut sein zu müssen, verspannt mein ganzes System. Ich stehe unter Überdruck, wie unter Hochspannung, ich funktioniere zwar und die Ergebnisse sind oft überraschend gut, aber am Ende der Tätigkeit bin ich völlig überdreht, erschöpft und froh, es endlich hinter mich gebracht zu haben. Ich habe vor Jahren ein zweimonatiges philosophisches Magazin herausgegeben und dabei die meisten Artikel selbst verfasst. In drei bis fünf Tage habe ich mit einer Mammutanstrengung die Artikel in die Tasten geklopft und war danach so erledigt, dass fast zwei Monate bis zur nächsten Ausgabe zuwenig waren, um mich wieder zu entspannen. Das führte dann dazu, dass ich es immer weiter hinausschob, mit den Artikeln der nächsten Ausgabe anzufangen, bis ich endlich nicht mehr auskonnte und unter Druck wieder in diese Manie verfiel, die mich nach Beendigung erschöpft und ausgebrannt zurücklies. Natürlich war ich happy, es geschafft zu haben, aber es schwang gleichzeitig auch die Angst mit, in ein paar Wochen erneut mit dieser Herausforderung konfrontiert zu sein.
Perfektionismus ist der Tod. Und das durchaus im realen Sinn. Mein Sohn ist auch Perfektionist. Wir haben also darüber diskutiert, was das zu bedeuten habe, ob es gut oder weniger gut sei etc. Auf der einen Seite sind wir ja stolz darauf, perfekt sein zu wollen. Wir haben diese subtile Leidenschaft in uns, die nach Perfektion giert. Es fällt uns schwer, gemütlich zu sein: “Ja, das ist nicht perfekt, aber das passt schon.” Oder wie es ein Freund vor mir ausdrückt: “A bissal a Verlust is immer”. Ja, das mag schon sein, aber wir haben halt mal Blut gerochen oder geschmeckt, das Ideal des Perfekten in Haben, Sein und Tun hat sich in unserem Geist festgesetzt, ja regelrecht eingebrannt, und wir können nicht mal leugnen, dass es ”die Perfektion” nicht gibt. Sie ist da, sitzt als Konzept in unserem Geist, und sie läßt sich nicht verleugnen. Gut, wenn wir das tun würden, was andere tun, wir aber nicht, nämlich einige halbe Bier trinken, fernsehen, Pornofilme anschauen, viel Sex haben, viel Fleisch in uns reinstopfen usw. usf., dann könnte es uns gelingen, zumindest vorübergehend die Existenz des Ideals der Perfektion zu vergessen und zu verdrängen.
Nachdem wir aber alle diese Dinge vermeiden, eben um hell und klar in Herz und Hirn zu bleiben, ist das für uns kein Ausweg. Was also tun?
Perfektion existiert, sonst wäre es nicht möglich, an sie zu denken und/oder sie anzustreben. Aber der Versuch, perfekt zu sein, verursacht Angst und Stress bis zu einem Ausmaß, dass man schon aufhört, ehe man überhaupt angefangen hat. Und, wie gesagt, wenn man sich endlich durchringt, meist unter großem Druck, etwas anzufangen, dann steht das ganze System unter Hochspannung, ja unter Überspannung, wodurch – zuminest nach einiger Zeit – alle möglichen negativen Folgeerscheinungen für Körper und Psyche auftreten.
“Ich muss gut sein!”, ist die Keule, die uns funktionieren lässt, bis wir zusammenbrechen. Was heißt gut, ich muss besser sein, besser als gut, besser als alle anderen, und nicht nur besser als alle anderen, sondern am besten, so gut es einfach nur geht, absolut geht, absolut vollkommen, absolut perfekt.
Dazu gibt es einen wunderschönen Vers in der Bhagavad-gita:
“Jede Bemühung ist von einem Fehler überschattet, ebenso wie Feuer von Rauch verhüllt ist. Deshalb sollte man die Tätigkeit, die der eigenen Natur entspringt, nicht aufgeben, o Sohn Kuntis, auch wenn diese Tätigkeit voller Fehler ist.”
Das ist fürwahr ein sehr interessanter Punkt. Krishna sagt, dass es in dieser Welt überhaupt keine Tätigkeiten OHNE Fehler gibt. Das ist ja auch einfach nachzuvollziehen. Wenn von uns kann behaupten, vollkommen zu sein? Wer kann behaupten, vollkommenes Wissen zu haben, über vollkommene Resourcen zu verfügen, einen vollkommen unbeschränkten Aktionsradius zu haben usw.?
So bitter es auch sein mag, wir müssen zugeben, dass wir unvollkommen sind. Wir sind nicht perfekt. Unsere Augen sehen, aber sie sehen nichts hinter Wänden, sie sehen keinen elektrischen Strom, keine Radiowellen, kein Licht in den Zellen, und die Sonne erscheint ihnen so groß wie eine Euro-Münze am Horizont. Wir sind begrenzt, beschränkt und behindert.
Und unsere angestrengten Bemühungen, diese Beschränkungen und Behinderungen zu überwinden, machen das Ganze auch nicht wirklich besser, ganz im Gegenteil. Wenn Beschränkte versuchen, ihre Beschränkung zu überwinden, das ist dieser Versuch natürlich und unweigerlich — beschränkt. Also anstatt der Überwindung der Beschränkung verwickelt und verstrickt uns diese Bemühung noch mehr in unsere Beschränkung. Unsere moderne Welt bietet bestes Anschauungsmaterial zu dieser Tatsache.
Fazit: Je größer die Bemühung, die Beschränkung zu überwinden, desto größer wird die Beschränkung. Das Ganze ist also viel Geschrei und viel Arbeit um nichts. Nein, nicht um nichts, um weniger als nichts. Das ist verrückt. Der Heroinkranke gibt viel Geld dafür aus, um noch kranker zu werden. Die Menschen dieser Welt arbeiten hart, hart, hart, wozu? Um noch härter arbeiten zu können.
Einstein hat einmal treffend bemerkt, dass man Probleme nicht auf der Ebene lösen könne, auf der sie entstanden sind. Das wirkliche Problem ist die Ebene, und die ”Ebene” ist eine bestimmte Mentalität, eine bestimmte Weltanschauung, eine ganz bestimmte Sicht der Dinge. Oder Goethe hat gesagt: “Um ein Problem zu lösen, muss man sich vom Problem lösen.” Das ist die gleiche Aussage. Die Denkweise, die Weltsicht, unsere Sicht der Dinge, das ist das wahre Problem. Diese Denkweise führt zur “Wahrnehmung” sovieler eingebildeter Probleme. Sich vom Problem zu lösen, bedeutet, sich von der Sicht zu lösen, die uns ein Problem suggeriert.
Es gibt keine Probleme. Gäbe es Probleme, könnten diese niemals gelöst werden. Sie könnten zeitweilig überwunden werden, man kann ihnen aus dem Weg gehen, aber sie lösen im wahrsten Sinne des Wortes kann man sie nie, denn das würde bedeuten, das sie fiktiv sind. Und genau das ist der Punkt. Alle Probleme sind fiktiv. Sie sind Erscheinungen einer bestimmten eingeschränkten Sicht der Wirklichkeit. Diese Sicht der Unwissenheit ist das einzige Problem. Um ein Problem tatsächlich zu lösen, also aufzulösen, müssen wir auf eine Ebene wechseln, von der aus wir erkennen, dass das Problem in der Tat nur in unserem Geist, nur in unserer Vorstellung existiert und existiert hat.
Wenn wir uns auf diese Weise vom Problem lösen, weil wir erkennen, dass es bloß ein Phänomen unserer behinderten und behindernden Sichtweise ist, und uns daraufhin von der behindernden Sichtweise lösen, indem wir lernen, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, dann hat sich das Problem im Lichte wahren Wissens wortwörtlich aufgelöst. Es ist nicht überwunden worden, es ist nicht in den Griff bekommen worden. Es ist nicht mehr da. Es war nie da. Es ist nie da.
Zurück zum Perfektionismus. Wir sind also unvollkommen. Jede unserer Bemühungen ist von unzähligen Unvollkommenheiten überschattet. Das Wort Fehler zeigt es uns: Es fehlt etwas, deshalb ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein Fehler. Es fehlt die Vollkommenheit. Wir nehmen diesen Mangel an Perfektion meist nur quantitativ wahr, wie etwa “Diese Lackierung ist uneben.”
Aber es gibt auch einen qualitativen Aspekt, der uns manchmal - mehr oder weniger indirekt - auffällt: “Das ist aber lieblos gemacht.” Dieser qualitative Bereich, o, der bietet uns eine Unmenge von Raum für Unvollkommenheit: Lieblosigkeit, Neid, Gier, Betrug…
Es bleibt aber immer noch die Frage im Raum, warum wir dieses Konzept der Perfektion kennen, wenn es angeblich nur Imperfektion, Unvollkommenheit, geben soll.
Die Antwort ist einfach: Es gibt Vollkommenheit, aber nicht auf der Ebene der Unvollkommenheit. Wir sind mit absoluter Sicherheit zum Scheitern verurteilt, wenn wir Perfektion auf der Ebene der Unvollkommenheit suchen. Die Menschen suchen in dieser materiellen Welt, sprich in ihrer materiellen Sichtweise, Vollkommenheit, aber sie finden niemals Vollkommenheit, denn diese materielle Sichtweise ist unvollkommen, unvollkommen von allem Anfang an, denn sie beruht auf einer falschen Wahrnehmung der Wirklichkeit.
In Wahrheit ist alles vollkommen. Auch das Unvollkommene dieser Welt ist vollkommen, wenn wir es von der Ebene der Vollkommenheit aus betrachten. Wir sind Ebenbilder Gottes. Wir sind durch Seine Gnade absolut vollkommene Wesen, ausgestattet mit allen Füllen der Schönheit, des Reichtums, der Macht, des Wissens, des Ruhms und unbegrenzter Freiheit. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere ewige Vollkommenheit richten, die der unbegrenzten Liebe Gottes entspringt, werden wir vollkommene Zufriedenheit erlangen.
[ad]
Die Diskussion mit meinem Sohn brachte uns auch zu folgenem Punkt:
Ist es wichtiger, seine materielle Unvollkommenheit anzunehmen, oder ist es besser, vollkommen zu werden?
Wir wollen vollkommen sein, um anerkannt zu werden. Das ist unsere Unfreiheit. Wir suchen Bestätigung, und das selbst ist ein Merkmal der Unfreiheit und der Unvollkommenheit. Wenn wir versuchen, vollkommen zu werden, um uns auf diese Weise über Kritik und Zurückweisung zu erheben, werden wir Schiffbruch erleiden. Erstens werden wir auf dieser Ebene nie vollkommen werden können, wie bereits klargelegt wurde, und zweitens stellt sich die Frage, ob tatsächlich alle unsere Vollkommenheit anerkennen werden. Gott hat durch verschiedene Schriften und Lehrer seit unvordenklichen Zeiten zu den Menschen gesprochen und ihnen einen vollkommenen Schatz des Wissens übermittelt. Das allerdings bedeutet noch lange nicht, dass auch alle Menschen dies zu schätzen wissen. Nein, ganz im Gegenteil: Niemand wird härter kritisiert als Gott, was so weit geht, dass ihm zuweilen sogar jegliche Existenz abgesprochen wird.
Keine Chance. Der Versuch, Anerkennung und Liebe durch die Bemühung um Vollkommenheit zu erlangen, endet immer in Enttäuschung. Das ist gut so, denn dann haben wir einen Ansporn, den Wunsch nach weiterer Täuschung aufzugeben.
Der wahre Weg zur Vollkommenheit ist die Anerkennung der Vollkommenheit, die wir uns nie in harter Arbeit verdienen können, weil sie ein freiwilliges und liebevolles Geschenk der Höchsten Persönlichkeit Gottes ist. Wir können unsere Vollkommenheit weder zerstören noch verbessern, denn sonst wäre sie nicht vollkommen. Wir können Sie nur voller Freude und Dankbarkeit annehmen, um sie im Dienst der Vollkommenheit, bedingungsloser Liebe in unbeschränkter Freiheit, zu gebrauchen.
In dem Maße, in dem wir uns unserer inneren, wahren und tatsächlichen Vollkommenheit bewusst werden, wird es uns ein Leichtes, unsere äußere Unvollkommenheit zu erdulden. Wir machen unser Glück nicht mehr davon abhängig. Wir lernen, auf die innere Motivation zu sehen und erkennen darin wahre Vollkommenheit. Ein Freund Gottes hat Gott einmal in seiner aus ekstatischer Liebe hervorgerufenen Verwirrung eine Bananenschale statt der Banane angeboten und die Banane auf den Abfall geworfen. In der Tat der Inbegriff einer unvollkommenen Handlung. Gott jedoch hat voller Genuß die Schale verzehrt. Er weiß nämlich zu jeder Zeit, immer und überall, wahre Vollkommenheit zu schätzen.
Wenn wir unsere eigene Göttlichkeit annehmen, wird all dieser furchtbare Druck nach äußerlicher Perfektion von uns abfallen. Dieser Druck ist die Ursache all unserer materiellen und psychischen Leiden. Der ganze höllische Stress, die aufreibende Hoch-Spannung, all das wird der Vergangenheit, dem Traum der Vergangenheit, angehören.
Unsere Schlußfolgerung in dem langen Gespräch war demnach: Der größte, sogar der einzige Fehler ist es, aus Angst vor Unvollkommenheit nicht zu handeln. Es ist wie bei einem Lagerfeuer. Alle sitzen herum und wollen ihre Kartoffeln braten. Wenn das Feuer entzündet wird, kommt es zuerst mal zu kräftiger Rauchentwicklung. Aber niemand wird sagen: “Wir schaffen kein perfektes Feuer, also lassen wir es gleich bleiben.” Obwohl Rauch da sein mag, erfüllt das Feuer seinen Zweck.
Für jemanden, der ohne das geringste Verständnis echter bedingungsloser Liebe handelt, ist es zweifellos besser, er tut überhaupt nichts. Er gleicht einem außer Kontrolle geratenen Kind, dass ständig sich selbst und andere durch seine waghalsigen und verantwortungslosen Aktionen in Gefahr bringt. Für ihn ist es besser, alle Handlungen aufzugeben, denn sie verstricken ihn immer tiefer in leidvolle Lebensumstände. (Leider sind gerade diese Wesen oft sehr ambitioniert in ihren Handlungen, wie uns die gegenwärtige Lage der Welt verdeutlicht.)
Aber jemand, der nur irgendwie das Wohl des Ganzen im Sinn hat, muss handeln, auch wenn seine Handlungen voller Fehler sind. Diese Fehler sind irrelevant. Die Motivation ist das einzig Entscheidende. Für so einen Menschen wäre es zweifellos der größte Fehler, sein Handeln aus Angst vor Fehlern aufzugeben und somit seinen Mitmenschen seinen Ausdruck der Liebe vorzuenthalten.
Wir müssen lernen, uns zu lieben, denn Gott hat uns als die liebenswertesten Wesen erschaffen, jeden einzelnen von uns. Wenn Er uns liebt, wer sind dann wir, uns nicht zu lieben? Wenn wir auf unsere Motivation achten, verblasst die Angst vor Unvollkommenheit, Mängel und Fehlern. Es ist uns gleichgültig, ob wir gelobt oder kritisiert werden. Selbst wenn wir tatsächlich viele Fehler in unseren Bemühungen machen, wird das unser Selbstbewusstsein nicht untergraben, denn es ist natürlich, in dieser Welt Fehler zu machen.
Auf diese Weise wird nach und nach jeder Druck von uns abfallen. Und was ist die Folge davon: Die Folge davon ist ganz einfach, dass selbst unsere äußeren Fehler immer weniger werden werden. Das ist eine natürliche Folgeerscheinung, wenn wir tatsächlich unsere gottgebene Vollkommenheit akzeptieren.
Welcher Agent macht weniger Fehler? Derjenige, der unter der großen Belastung seiner Aufgabe ausflippt, die Nerven wegschmeißt, sich in die Hose macht?
Oder derjenige, der cool bleibt, Vertrauen hat, losgelöst ist?
Welcher Sportler wird erfolgreicher sein? Derjenige, der unbedingt gewinnen muss, der angespannt und nervös ist, oder derjenige, der spielt um des Spieles willen, aus reinem Enthusiasmus und lebendiger Freude?
Überdruck macht nicht nur krank, er ist die Ursache schlechthin für alle Fehler. Druck, der seine Ursache in Mangeldenken hat, hat immer negative Folgen. Klar, es gibt auch positiven Druck, aber dieser ist von gänzlich anderer Natur: Das ist der Druck der Freude an Tätigkeiten, die der Liebe dienen. Das ist konstruktiver Druck, der uns anspornt, immer mehr von uns zu geben, weil wir Liebende sind und aus der Fülle des Seins schöpfen.
Wenn ich hier sitze und mir denke, oh, ich muss jetzt etwas schreiben, bin ich sofort blockiert. Wenn ich denke, oh, ich muss etwas Gutes schreiben, damit die Leute mich mögen, nimmt diese Blockierung noch zu. Wenn ich mir aber denke, ich muss nichts tun, ich darf einfach schreiben, ganz egal, was immer mir auch einfällt, egal, was wer auch immer dazu sagen mag, denn blitzt für einen Moment Spaß und Freude auf, alles geht so leicht und einfach, ja tatsächlich von selbst, ich bin im “flow”, juhu. Mozart hat nicht hart gearbeitet, um diese seine wundervolle Musik zu komponieren. Nach seinen eigenen Aussagen war sie einfach da und er hat sie einfach angenommen. Hätte er sich den Urstreß gemacht: “Ich muss jetzt unbedingt was komponieren, die Leute sollen sehen, welch Genie ich bin”, dann hätte er sich so verkrampft, dass sich alle Kanäle zu seiner Inspiration verschlossen hätten, und herausgekommen wären statt inspirierter und inspirierender Musik verkrampft-bemühte Machwerke.
Und noch ein Rat am Ende: Du bist in Gesellschaft und redest mit anderen Leuten. Ein Mensch, vorzugsweise des anderen Geschlechts (um die Szene grenzenlos zu verschärfen) findet Gefallen an dir und du wirst angehaftet, sprich, du möchtest seine Zuneigung nicht mehr verlieren. Du versuchst, das Beste zu geben, redest ganz gescheit, merkst, wie du nervös wirst, merkst, wie dein Gegenüber von deiner Nervosität angesteckt wird, was dich dann noch nervöser macht etc. etc.
Was jetzt tun: Noch besser sein? Noch härter arbeiten? Noch schlauer reden? Noch cooler schauen? DAS wird in die Hose gehen.
Akzeptiere, dass du nervös bist. Es fällt dir kein Stein aus der Krone. Bleib in dir. Eine Peinlichkeit mehr oder weniger auf dieser Welt tut nichts zur Sache. Steh zu dir und beginne, dich endlich bedingungslos zu akzeptieren. Wenn der andere geht, soll er gehen. Du wirst mit Sicherheit noch eine Menge interessanter Leute in deinem Leben treffen. Wenn du so drauf bist: Garantiert.
Alles Gute,
Friedrich Asen
[ad]
“Man sollte eigentlich im Leben niemals die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist so groß.” (Bertrand Russell, britischer Mathematiker und Philosoph)
Margarita Siebke
Tipp
Zu diesem Problem, dass sie da schildern, könnte eine Beschäftigung mit der Rechtfertigungslehre Luthers….gegründet auf den Römerbrief des Paulus interessant sein.
Es ist enttäuschend, aus ihren Artikeln zu lesen, wie unerlöst Sie doch sind. Jedenfalls nicht erlöster, als ich auch……ich meine bei soviel Radionik.etc.
Sie sehen die Welt unter Dämonischem Einfluß…..die Beobachtung ist nicht ganz falsch….und dennoch, wer zusehr auf den Dämon starrt, verschließt sein Herz vor Angst und Zorn…..es gilt den Dämon in der Welt zu lieben….oder besser die Welt mit ihren ganzen Schwächen anzunehmen wie sie ist…..das ist es, was Jesus mit Feindesliebe meint……wer den Teufel an die Wand malt, nährt den Dämon in sich. Wer beginnt, die Welt zu lieben, so wie sie ist, nämlich mit ihren ganzen zerstörerischen Tendenzen, die sie hat, der überwindet den Dämon in sich. Das erstaunliche ist: Die Welt beginnt mir dann ihre heile Seite zu zeigen. Probieren Sie es aus. Das ist allerdings ein Weg langer Übung, an den man sich zur Überwindung der Krise in der Lebensmitte unbedingt machen sollte (Sie scheinen mir voll in der Krise zu stecken)….es ist der Weg zur Annahme des eigenen Todes….und gleichzeitig der Überwindung des Todes….denn er kann nur überwunden werden, wenn er angenommen und voll erlebt wird…..zur Einübung des Todes gehört aber am Beginn die Annahme der Welt, als eine dem Tod und der Sucht/Sünde (Sünde ist Sucht) verfallenen Welt. Habe ich diese Tatsache akzeptiert, kann ich überhaupt erst beginnen zu lieben und zu leben. Und die Welt zeigt mir ihre Geborgenheit und Lebenskraft.
#1 Kommentar vom 30. November 2008 um 21:43