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Ist die Wirklichkeit wirklich unserer Meinung?

Wir leben in einer sehr herausfordernden Zeit des Umbruchs und des Paradigmenwechsels. Die alten Denkmuster funktionieren immer weniger und neues Wissen strömt auf uns ein, dem wir uns sowohl öffnen als auch verschließen können. Meinungen prallen aufeinander und Verwirrung und Orientierungslosigkeit haben ein chaotisches Ausmaß angenommen.

Was ist richtig? Was ist falsch?

Ist es falsch, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden? Oder ist es richtig?

Gibt es verbindliches Wissen, oder gibt es nur relative Meinungen? Und wenn es verbindliches Wissen gibt, ist es zugänglich?

Wir werden täglich intensiver aufgefordert, uns diesen und weiteren Fragen ohne ideologische Scheuklappen zu stellen.

Es wird zunehmend schwieriger, sich hinter Ideologien – wissenschaftlichen, religiösen oder welchen auch immer – und “politischer Korrektheit” zu verstecken und die Wirklichkeit, so wie sie ist, einfach außer Acht zu lassen. Wir bekommen für unsere egozentrischen und damit falschen Interpretationen der Wirklichkeit sowohl individuell als auch kollektiv in immer größerem Ausmaß allerlei Rechnungen präsentiert. Die Wirklichkeit ist, wie sie ist. Sie nimmt weder Rücksicht auf unsere Ideologien, noch auf unsere intellektuellen manipulativen Kunstgriffe hinsichtlich unserer Neuinterpretation von Tatsachen und Begriffen (Neusprech).

Es ist unsere vorrangigste Aufgabe zu lernen, auf die Gesetze der Wirklichkeit zu hören und sie verstehen zu lernen. Wir aber ziehen es allzu oft vor, uns entsprechend unserer mentalen, emotionalen und physischen Beschaffenheit von den dazu in Resonanz befindlichen Denkschablonen in ihren (illusorischen) Bann ziehen zu lassen. Wir sind sehr daran interessiert, unsere Sicht der Wirklichkeit und Wahrheit zu etablieren und zu verteidigen, aber wir haben allzu oft kein Interesse an der Wirklichkeit und Wahrheit an sich.

In diesem Zusammenhang macht das vedische Verständnis von Epistemologie perfekten Sinn: Nur jemand, der frei von allen egoistischen Motiven ist (oder zumindest ernsthaft bemüht, von diesen frei zu werden), kann ein klares Verständnis von Wirklichkeit entwickeln. Materielle Wünsche machen unweigerlich voreingenommen und damit anfällig für unzählige Ideologien. Das vedische Konzept des “Brahmanas”, des losgelösten und reinen Priesters und Gelehrten, besagt, dass nur derjenige ein wahrer Wissenschaftler sein kann, der eine neutrale Gesinnung hat, und dass nur derjenige von neutraler Gesinnung sein kann, der frei von allen materiellen Wünschen ist.

Ohne dieses Verständnis mögen wir es genießen, über die Wahrheit zu diskutieren und abzustimmen. Aber die Wirklichkeit und die Wahrheit über die Wirklichkeit sind weder von unseren Abstimmungsergebnissen noch von unseren Diskussionen abhängig. Sie ist, wie sie ist, und das ist sie völlig unbeeindruckt, unbestechlich und absolut souverän.

Ich will damit nicht sagen, dass es nun nicht mehr gestattet sein soll, nach Herzenswunsch seine eigene Meinung vorzubringen. Aber ich denke, wir sollten uns etwas bewusster darüber werden, dass unsere Meinung viel, viel mehr über uns selbst als über die Wirklichkeit aussagt. Unsere Meinung – d.h. unsere individuelle Interpretation der Wirklichkeit – sagt alles über unsere Denkmuster, über unsere Abhängigkeiten, über unsere Blockaden und Begrenzungen und über unsere Freuden und Leiden aus; aber ihre Aussagekraft bezüglich der Wirklichkeit ist sehr, sehr eingeschränkt.

Wir haben unsere Meinung. Sie beruht auf unserer Weltsicht. Und diese unsere Weltsicht, unsere ganz persönliche “Philosophie”, ist der subjektive Ausdruck unserer Konditionierung, unserer Ängste und Hoffnungen. Deshalb sollten wir lernen, unsere Meinungen nicht so tierisch ernst zu nehmen, ganz egal, worum es gerade geht: Klimawandel, Drittes Reich, Evolutionstheorie, Kornkreise, Impfungen, 9.11., Zins-und Zinseszins, Ausländer und Außerirdische… Oh, da gehen schnell die Wogen hoch!

Jeder ist so schrecklich schlau, jeder kennt sich aus und weiß alles besser. Und so prallt Meinung auf Meinung und reiben aneinander, erhitzte Diskussionen entwickeln sich, und sogar Streit, Zwietracht und Trennung. Und das alles nur, weil wir nicht in der Lage sind, einen Unterschied zwischen unserer Meinung zur Wirklichkeit und der Wirklichkeit an sich zu machen.

Unsere Meinung ist mit unverbrüchlicher Sicherheit unzureichend. Das ist garantiert. Anstatt uns in all diese relativen Argumente und Gegenargumente zu verlieren, täten wir so gut daran, unsere Bemühung und Energie darauf zu richten, frei zu werden. Frei von aller Konditionierung, frei von allen falschen Abhängigkeiten, emotional, mental und physisch. Frei zu werden vom bedrückenden (depressiven) Ballast aller Ideologien, Dogmen und sonstigen “heiligen Kühe”… (vollkommen gleichgültig, ob von so genannter säkularer, religiöser oder wie auch immer gearteter Natur).

Demut bildet deshalb den sichersten Zugang zu unbeschränktem Wissen und zu wahrem Glück. In exakt dem Ausmaß, in dem wir anerkennen, dass wir in Wirklichkeit so gut wie keine Ahnung von irgendetwas haben, bringen wir uns in eine Position, echtes Wissen um die Wirklichkeit annehmen zu können. Nicht umsonst gilt Sokrates, berühmt durch seine Aussage “Ich weiß, dass ich nichts weiß”, als einer der größten Philosophen aller Zeiten.

Die so gewonnene Unabhängigkeit wird es uns ermöglichen, die Dinge mehr und mehr unvoreingenommen, neutral und vielleicht sogar mir Liebe so zu sehen, wie sie tatsächlich sind. Und so schaffen wir uns die Möglichkeit, endlich frei zu werden für eine Wirklichkeit uneingeschränkter und erfüllender Beziehungen auf der Grundlage von Achtung, Liebe und Respekt; für das Glück grenzenloser Intimität, nach dem wir uns ausnahmslos alle seit Ewigkeiten sehnen.

 

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Info:
Ist die Wirklichkeit wirklich unserer Meinung? ist Beitrag Nr. 447
Author:
web416 am 6. Juni 2013 um 18:50
Category:
Philosophie und Wissenschaft
Tags:
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